JAPAN: Die Onsen-Erfahrung

Heute ist Taifun-Tag in Kyoto und der bietet sich fantastisch an, um zu schreiben. Gestern wurde ich netterweise von japanischen Gästen des Cafés unten in meiner Unterkunft gewarnt, der Taifun würde abends kommen, was dann aber im Laufe des Abends korrigiert wurde und auf nachmittags datiert. Nun ist es 16.29h und der Taifun hat sich noch nicht blicken lassen. Es regnet aber schon den ganzen Tag, ist unheimlich stickig, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, auch windig.

Aber nun zum Onsen und meiner Erfahrung. Reist mensch nach Japan, werden einem ein paar Aktivitäten von allen Seiten ans Herz gelegt. Das ist auf jeden Fall die Teezeremonie und auch eine Fahrt mit dem Shinkansen, der durch das Land rast, etliche Tempelbesuche werden vorgeschlagen, spirituelle Wanderwege, Museen. Aber auch ein Besuch im Onsen steht auf der Must-Do-Liste sehr hoch. Da stellt sich die Frage:

Was ist ein Onsen?

Im Grunde genommen ist es einfach nur eine heiße Quelle mit Wirkung. Ein Onsen ist in Japan meistens an eine Einrichtung gebunden, das kann ein Badehaus sein, was nur Badehaus ist, kann ein Hotel sein o.ä. Es gibt einige Orte in Japan, die ähnlich unserer Kurorte eine Vielzahl von Onsen beherbergen und so ein Ort ist Beppu, den ich während meines zweiwöchigen Roundtrips durch den Süden Japans besuchen durfte.

Beppu liegt auf Kyushu, einer der vier Hauptinsel Japans (neben Honshu, die wir alle kennen, weil darauf liegen Städte wie Tokyo und Kyoto) und Hokkaido (kennen wir vom Kürbis und vielleicht von Haruki Murakamis Schafen) und Shikoku (kennen wir wenig, weil diese Insel nicht so bevölkert ist wie die anderen, besonders Honshu und weil es dort auch keine im Westen bekannten Kürbisse gibt oder sonstiges). Dann gibt es da übrigens noch Okinawa. Okinawa wird zu Kyushu gepackt, was aber sehr merkwürdig ist, weil es eine komplett eigene Geschichte und Kultur hat und lange Zeit gar nicht zu Japan gehörte. Das kann ganz einfach gegoogelt werden, falls es von Interesse sein sollte.

Zurück zu Beppu. Beppu ist klein und die Stadt selber hat eigene Onsen und dann gibt es um Beppu noch viele andere Onsen, die dem entsprechenden Gebiet zugeordnet werden. Da ich nicht so sehr viel Zeit hatte, bin ich in Beppu-Stadt geblieben, habe ca. eine Stunde recherchiert im Netz, etliche viele Onsen gefunden und musste mich dann relativ schnell entscheiden, weil nur der Nachmittag noch blieb für einen ausgiebigen Besuch. So habe ich die Hidden Onsen links liegen gelassen, was natürlich sehr schade ist, weil sie sehr sehr schön sind und in einer natürlichen Umgebung liegen und bin rechts abgebogen zum Suginoi Hotel, weil mich der Blick auf Beppu aus diesem Onsen faszinierte bei meiner Onsen-Recherche. In meiner Unterkunft erfuhr ich beiläufig, dass es einen Bus Shuttle vom Bahnhof Beppu ins Hotel gibt, was sehr angenehm ist bei 35° und einer hügeligen Landschaft. Der Shuttle war meiner und ich machte mich auf zum Bahnhof (10 Minuten zu Fuß bei der Hitze waren machbar). Nach einer ca. 15-minütigen Busfahrt werde ich abgeliefert beim Hotel Suginoi, was noch andere Aktivitäten anbietet, die ich aber nicht nutzen werde.

Ich bin sehr erstaunt über den Weg in den Onsen, weil da gehe ich vorbei an lauter Shops mit japanischen Süßigkeiten, weiter an einer Spielhalle (unglaublich, da stehen so unzählig viele Spielautomaten, alles ist bunt und die Kids freuen sich einfach nur und spielen natürlich) und dann gibt es auch noch eine aufblasbare Plastikburg für sie (für die Kids ist meistens gut gesorgt in Japan, auch die Museen haben oftmals einen Spielraum für Kinder).

Nach Weg, Weg und Weg lande ich wie ausgespuckt im Onsen, ich wundere mich ein zweites Mal, weil der Onsen im Hotel kostet nichts, ich kann also durchgehen, bekomme Handtücher, verfrachte meine Klamotten in meinen Spind und gehe weiter in den Onsen. Schon im Vorraum ist sehr viel Betrieb, eine Menge Frauen, Mädels, die umherwuseln (der Onsen ist geschlechtlich getrennt). Durch die Tür, flutsch, geht es weiter zu den Waschplätzen. Diese sind wichtiger als Buddha oder der Kranz Blumen im Shinto-Schrein, denn hier wird sich ausgiebig gewaschen. Niemand geht ungewaschen ins Bad, wer es wagen sollte, wird verstoßen, verachtet. Die Waschplätze sind wieder japanisch ausgestattet, es gibt Conditioner, Shampoo, Duschgel, es gibt einen Sitz und einige Schüsseln, d.h. ich setze mich und wasche mich im Sitzen, stehe nur sporadisch mal auf, um mich noch mehr zu waschen. Das Waschen ist auch eigentlich kein Waschen, sondern mehr ein Schrubben. Also nach einer halben Stunde Waschgang am Waschplatz stehe ich in einem der zahlreichen Becken und habe den schönsten Blick, den ich mir nur vorstellen kann. Ich liege im heißen Bad inmitten Japans und Blicke den Hügel runter auf Beppu mit seinem pittoresken Hafen, auf das Meer. Diese Weite nimmt mich ein und mit und ich kann ansatzweise entspannen. Das Wasser ist allerdings sehr warm, manches Mal heiß, kommt darauf an, in welchem Becken ich mich aufhalte, so dass ich immer wieder mal aufstehen muss und mich an den Rand setzen, um nicht vollends zu verbrühen.

Dann gibt es neben den verschiedenen Becken auch Sitzplätze im Wasser und auch in separaten Kübeln, in die so ca. 2-3 Frauen passen zum gemeinsamen Planschen. Es gibt eine Sauna, ich kann mir aber nicht vorstellen hineinzugehen, weil ich schon geschwitzt habe ohne mich überhaupt zu bewegen und der Onsen ebenfalls für innere und äußere Hitze sorgt.

Nach ca. zwei Stunden mache ich mich langsam aus dem Wasser, überlege ein weiteres Mal hineinzugehen, der Entspannungseffekt ist wirklich erstaunlich und ich fühle mich müde und möchte ins Hotel zurück, schlafen. Ich hole mir meine Kleidung (was ich total vergessen habe, wir sind natürlich alle nackt im Onsen), ziehe mich an, finde den Weg zurück zum Bus, zum Bahnhof. Am Bahnhof stolpere ich dann noch über eine Massage, Fußreflex, die ich mir schon seit einigen Tage gewünscht hatte. Weitere 30 Minuten Verwöhnprogramm.
Was kann ich mir Besseres vorstellen?

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